Impulse aus Köthen: Rückblick auf den ICE-Kongress 2025
Vom 13. bis zum 15. November 2025 besuchte ich den ICE 25, den 25. Internationalen Coethener Erfahrungsaustausch, veranstaltet von der Wisshom. Ein Jubiläum, das auch gebührend mit einem großen Kuchen gefeiert wurde, der mit Samuel Hahnemanns Konterfei geschmückt war.
Das Thema der Veranstaltung war „Wege der homöopathischen Arzneimittelfindung“. Verschiedene homöopathische Arbeitsweisen wurden vorgestellt, wobei das Symptomenlexikon, eine noch relativ neue Richtung, die aber bereits von Hahnemann erdacht wurde, aber aufgrund fehlender Computertechnik zum damaligen Zeitpunkt nicht umsetzbar war. Diese Arbeitsweise, die sich auch die „wissenschaftliche Homöopathie“ oder einfach „SL“ nennt“, ist sehr logisch und erfordert angeblich keine Kenntnis der vielen Arzneimittelbilder und kann somit recht schnell erlernt und praktiziert werden. Michael Kohl, der das „Symptomenlexikon“ herausgebracht hat, hatte in einem 1,5-stündigen Vortrag und in einem Workshop Gelegenheit, uns diese Arbeitsweise näher zu bringen. Besonders beliebt ist dieses Vorgehen bei auch homöopathisch arbeitenden Hausärzten, da die Mittelfindung schnell „nebenher“ erfolgen kann. Ergänzend dazu gab es von einigen Therapeuten Auswertungen der Arbeiten mit dem SL über die letzten Jahre und es wurde von Erfolgen von bis zu 80% richtige Arzneimittelwahlen berichtet. Das ist wahrlich beachtlich und man sollte diese Methode auf jeden Fall im Auge behalten.
Aber auch andere Methoden kamen zur Sprache, die Fallanalyse nach Bönninghausen wurde von Dr. Carl Rudolf Klinkenberg vorgestellt, Dr. med. Alexandra Schulze-Rohr aus Lübeck über die von Heiner Frei entwickelte Polaritätsanalyse, Dr. med., Miklos Takacs berichtete über die Kent-Künzli-Spinedi Schule, Dr. med. Ernst Trebin über seine Arbeit mit den Salzen, Frau Dr, Gabriela Keller-Rebmann über die auf Kent basierende Jus-Methode und Frau Dr. med. Sigrid Kruse über die Wiener Schule nach Matthias Dorcsi. Es gab also ein buntes Potpourri von möglichen Arbeitsweisen. Am Schluss stellte Dr. med. Stephan Gerke unter dem Titel: „Sankaran, Scholten, Mangialavori, Vijayakar, Künzli, Gypser, Frei, Plate, wer kann‘s am besten?“ wieder alles in Frage und forderte zu einer sehr selbstkritischen Haltung auf. Er selbst hat sehr ausführlich seine Fälle der letzten Jahre reevaluiert und uns die Ergebnisse vorgestellt
Daneben gab es aber viele andere interessante Vorträge. Der Schweizer Drogist Daniel Jutzi berichtete über die homöopathische Mittelfindung für Landwirtschaft und Garten. Er beschrieb sehr humorvoll, wie man bei Pflanzen und Tieren die richtigen Mittel finden kann, wie diese hergestellt und aufgetragen werden. Bei ihm kann man 200 unterschiedliche Arzneien beziehen und ich war wirklich beeindruckt, welche große Rolle die Homöopathie in der Landwirtschaft spielt. Man kann diese Mittel auch in Deutschland beziehen, da es hier zwei Niederlassungen gibt. Daran schloss sich die Tierärztin Dr. Petra Weiermayer an, die gerade eine Studie über Homöopathie zur Reduktion von Antibiotikagaben in der Putenmast leitet. An dieser Studie sind 4 Fakultäten von 3 deutschen und österreichischen Universitäten beteilig. Zuerst ging es erstmal um die Machbarkeit und sie berichtete auch über die Schwierigkeiten, wenn die Theorie auf die Realität trifft.
Dr. med. Rainer Schäferkordt stellte eine Studie der Wisshom vor, die bereits 2014 ins Leben gerufen wurde. Ziel war die Erstellung einer große Falldatenbank, die später ein effizientes Datamining ermöglichen soll. Er warb noch einmal sehr dafür, sich hier anzuschließen, weil auch der Therapeut sehr von der geforderten genauen Falldokumentation profitiert, da eine gute Übersicht, Nachvollziehbarkeit, Zeitersparnis, Qualitätsförderung und eine Sammlung von Fällen für die Lehre entstehen. Man kann für diese Arbeit sogar Fortbildungspunkte einreichen. Bisher wurden 272 Fälle und 4 Behandlern eingebracht. Insgesamt wurden 6466 Konsultationen und 1008 Verordnungen dokumentiert, wobei die mittlere Behandlungsdauer pro Patient 4 Jahre war.
Weitere internationale Kollegen waren z.B. Prof. Dr. Lex Rutten, der über die wissenschaftliche Identität der Homöopathie sprach. Prof. Menachem Oberbaum aus Israel stellte seine große randomisiert kontrollierte Kinderstudie zur Primärversorgung bei Kindern in den ersten 24 Monaten vor, die in Kooperation mit der indischen Regierung durchgeführt wurde. Sowohl Prof. Oberbaum als auch Prof. Frass berichteten von ihren Kämpfen mit den Journalen, die immer wieder schon gepeerreviewte und längst veröffentlichte Studien zurückziehen lassen. Das ist in vielen Fällen ungerechtfertigt und ungerecht, aber beide kämpfen weiter hart auf diesem Wege für die Homöopathie.
Prof. Dr. rer. nat. Susanne Schnittger
Leitung Wissenschaftlicher Arbeitskreis & Akademie Gauting
Vorstand Homöopathie Forum e.V.
Als kleines Schmankerl laden wir Sie ein, gemeinsam mit Frau Dr. Schnittger durch das Hahnemann-Haus in Köthen zu gehen – und dabei ein Stück homöopathische Zeitgeschichte zu erleben.